Workers‘ Memorial Day 2016

Der Workers’ Memorial Day ist ein internationaler Tag des Gedenkens an Lohnarbeiter, die aufgrund von Arbeit getötet, verstümmelt oder verletzt wurden oder an Berufskrankheiten leiden. Er findet jedes Jahr am 28. April in zahlreichen Ländern statt.
Aus diesem Anlass wurde heute an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs an der Severinstraße eine kleine Gedenkaktion organisiert, wo die U-Bahn-Baustelle im Jahr 2009 die in der Nachbarschaft wohnenden Arbeiter Kevin und Khalil das Leben kostete.

Gedenken


Nach Angaben der ILO (von 2006) sterben mehr Menschen durch Arbeit als durch Kriege:
- Weltweit stirbt alle 15 Sekunden ein*e Arbeiter*in, das entspricht 6.000 Arbeiter*innen pro Tag
- Es sterben jedes Jahr insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen an den Folgen eines Arbeitsunfalls oder infolge einer Berufskrankheiten.
- Jedes Jahr ereignen sich weltweit schätzungsweise 270 Millionen Arbeitsunfälle und zudem erkranken etwa 160 Millionen Menschen an arbeitsbedingten Krankheiten. (In Deutschland ereignen sich im Jahr etwa 500 tödliche Arbeitsunfälle, fast alle in der Privatwirtschaft. Dazu kommen die etwa 2.500 Verstorbenen, die an einer offiziell anerkannten Berufskrankheit, wie Asbestose, litten)
- Giftige Substanzen töten jährlich 440.000 Arbeiter*innen, wobei allein Asbest für etwa 100.000 Tote verantwortlich ist.

Der EGB (ETUC) hofft aktuell auf eine gesetzliche Reform und setzt sich derzeit für neue Grenzwerte für den Kontakt mit 50 krebserregenden Chemikalien ein. In der EU sterben etwa 100.000 Menschen im Jahr an arbeitsplatzbedingten Krebserkrankungen.

Aber auch andere Risiken sollten nicht vergessen werden, wie z.B. die unbekannte Wirkweise künstlich hergestellter Nanopartikel. Auch psycho-soziale Belastungen, wie Stress, (sexuelle) Gewalt und Mobbing, machen krank und können zu Erwerbsunfähigkeit führen. Dazu kommen die Muskel-Skelett-Erkrankungen, bei denen Nacken, Rücken und Ellbogen schmerzhaft überlastet werden.

Einsturzstelle

Mit dem Workers’ Memorial Day soll die Öffentlichkeit auf arbeitsbedingte Tode, Verletzungen und Krankheiten sowie auf die Vermeidbarkeit der meisten Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten hingewiesen werden. Zudem sollen gewerkschaftliche Kampagnen und Ansätze im Kampf für Verbesserungen beim Arbeitsschutz bekannt gemacht werden. Rund um den Workers’ Memorial Day hat sich der Slogan „Remember the dead – Fight for the living“ (Der Toten gedenken, für die Lebenden kämpfen) etabliert. Obwohl der 28. April in erster Linie als Tag des Gedenkens und der internationalen Solidarität genutzt wird, wurden an ihm zuweilen auch konkrete Aktionen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes initiiert oder praktisch mit entsprechenden Kampagnen verbunden.

In Europa nehmen teil an Aktionen: außer den skandinavischen Ländern, nur Großbritannien, Österreich, Italien und Spanien. In Osteuropa beteiligen sich nur Moldawien und Slowenien. Aber auch in Marokko, Tunesien, Ägypten, Palästina und Libanon gibt es Aktionen.

Heute finden am Workers’ Memorial Day Aktivitäten auf der ganzen Welt statt. Dazu gehören Kampagnen, Aufklärung am Arbeitsplatz, öffentliche Veranstaltungen, die Errichtung von Denkmälern, Kundgebungen und Demonstrationen bis hin zu vereinzelten Aktionen am Arbeitsplatz wie Streiks. Nach Angaben des IGB beteiligten sich im Jahr 2009 etwa 14 Millionen Menschen in über 100 Ländern an rund 10.000 Aktivitäten

Ins Leben gerufen wurde der Workers’ Memorial Day 1984 von der kanadischen Gewerkschaft für Angestellte im Öffentlichen Dienst (Canadian Union of Public Employees). Der Canadian Labour Congress griff die Initiative im Folgejahr auf und erklärte den 28. April zu einem jährlichen Tag des Gedenkens. Mit dem Datum bezog man sich auf den Jahrestag des richtungsweisenden Workers Compensation Act von 1914, mit dem in Kanada eine Behörde für Arbeitsschutz eingerichtet wurde. 1991 wurde der 28. April zu einem kanadischen Gedenktag (National Day of Mourning).

Erinnerung

Regenbogen

Fotos: Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA) [Creative Commons: BY-NC]