IAA unterstützt slowakischen Arbeiter

Nachdem wir bereits Ende November über unsere Solidarität mit dem Basisgewerkschafter der Priama Akcia (PA-IAA) in Bratislava berichtet hatten, geht deren Kampagne auch im neuen Jahr weiter. Damit der scheinselbständige Arbeiter Michal R. von der gemeinnützigen Hilfsorganisation „OS Divé maky“ seinen ausstehenden Lohn bekommt, ist immernoch internationale Unterstützung notwendig.

Nun besuchten Ende Dezember Vertreter/innen des Sekretariats der Internationalen Arbeiter/innen-Assoziation die Slowakei und trafen sich mit Mitgliedern der Priama Akcia. Die Hauptthemen ihrer Diskussionen bezogen sich auf die illegale Anstellung, belastende Verträge und zurückgehaltene Löhne in den beiden benachbarten Ländern.

IAA (Bratislava 2015)


Die Vertreter/innen des IAA-Sekretariats waren besonders interessiert an dem Verlauf des Konfliktes der Priama Akcia mit der Nicht-Regierungsorganisation „Divé maky“, teilten Erfahrungen aus Arbeitskämpfen und gaben Anregungen für weitere Schritte. Sie wollten sich auch persönlich mit der Managarin Barbora Kohútiková treffen, die für die Situation dort verantwortlich ist. Jedoch war an jenem Montagvormittag im Büro von „Divé maky“ niemand anzutreffen, weshalb sie eine Nachricht im Briefkasten und an den Türen hinterließen. Die Situation wurde auch in Form des folgenden Interviews diskutiert, das das IAA-Sekretariat veröffentlicht hat:

Dive Maky

Priama Akcia: Wir haben eine Menge Unterstützung vom IAA-Sekretariat und aus den Mitgliedssektionen erhalten. Uns ist bekannt, dass das IAA-Sekretariat an „Divé maky“ geschrieben und sich beschwert hat über die dubiosen Praktiken bezüglich der Arbeitsvertäge und auch wegen des Umgang des Anwalts und der Firmenverwaltung mit persönlichen Informationen. Was denkt ihr darüber, dass sie immernoch nicht das Geld an Michal ausgezahlt haben, das sie ihrem Arbeiter schulden?

Sekretariat: Wir glauben, dass es schrecklich ist, wenn jemand so etwas durchmachen muss. Noch schlimmer ist, dass die Organisation versucht ihre offensichtlich unethischen Praktiken mit noch schlechterem Verhalten zu verteidigen. Das betrifft verschiedene Drohungen, bei der Polizei unsinnige Vorwürfe gegen die durchaus friedlichen Aktionen der Unterstützer/innen ihres Mitarbeiters zu erheben, sowie Briefe an sie zu verschicken, in denen sie ihn selbst für die Situation verantwortlich machen. Die NGO versucht Ausreden dafür zu finden, dass sie sich weigern ihm 950 Euro auszuzahlen, wofür es jedoch keine Begründung geben kann.

Priama Akcia: Habt ihr Erfahrungen mit vergleichbaren Fällen? Wenn dem so ist, wie haben diese geendet?

Sekretariat: Leider kommt es nicht nur in der Slowakei zu solchem Vorgehen, weshalb wir tatsächlich Erfahrung damit haben. Wir sind überrascht, wieviele Chefs denken, dass sie einfach damit durchkommen können, wie sie die Leute austricksen. Vielleicht gehen sie davon aus, dass die Leute es irgendwann satt haben, mit ihnen was zu tun zu haben, und dann einfach aufgeben und niemand die Arbeiter/innen unterstützt. Da haben sie natürlich Unrecht. In vielen Fällen hat sich herausgestellt, dass die Chefs am Ende viel mehr Geld verloren haben als sie ursprünglich hätten zahlen müssen. Nicht jeder will mit solchen Leute Geschäfte machen.

Priama Akcia: Was meint ihr, warum ist „Divé maky“ bereit einen öffentlichen Arbeitskampf zu riskieren, obwohl sie sogar selbst zugeben die 950 Euro gesetzeswidrig nicht auszuzahlen?

Sekretariat: Wir sind je weder Psycholog/innen, noch können wir Gedanken lesen, daher fällt es uns schwer etwas zu diesem speziellen Fall zu sagen. Möglicherweise glauben sie, dass sie sich mit ihrem guten Ruf sowas erlauben können. Oder, dass die Leute automatisch davon ausgehen, dass sie die Wahrheit sagen würden, wenn sie einfach den Arbeiter selbst dafür verantwortlich machen. Wer weiß? Doch unserer Meinung nach, zeigt es die Fehlentscheidung des Managements dieser Organisation, welches nun alles tut, um nichts zugeben zu müssen. Es ist ja nicht unüblich für die Chefs kleiner Organisationen, dass sie sich derart verhalten. Jedenfalls machen sie einen großen Fehler, der sich höchstwahrscheinlich einiges kosten wird.

Priama Akcia: Was würdet ihr den Leuten sagen, die Michal bisher in der Slowakei und im Auslang unterstützt haben?

Sekretariat: Es ist wirklich toll, dass sie Michal unterstützt haben. Wir können nicht stillschweigend zusehen, wenn solche Dinge passieren. Und denkt daran, falls euch mal etwas passieren sollte, wird es ebenfalls Leute geben, die euch solidarisch zur Seite stehen.

Priama Akcia: Was meint ihr, sollen Michal und Priama Akcia nun tun?

Sekretariat: Zunächst einmal nicht aufzuhören bis Michal ausgezahlt wurde. Und falls „Divé maky“ nicht in den nächsten ein bis zwei Wochen bezahlt, sollte mehr Druck ausgeübt werden. Wir sind ziemlich sicher, dass ihr gute Rechtsgründe habt, daher würden wir auch ein Gerichtsverfahren einleiten, falls sie sich starrköpfig zeigen. Denkt auch daran, die NGO auf Rechtskosten und Schadensersatz zu verklagen. Falls dieses Verfahren für Michal an den Kosten scheitern sollte, wäre die IAA sicher bereit ihn finanziell zu unterstützen.

Priama Akcia: Bei eurem Besuch in der Slowakei wolltet ihr ja auch das Büro von „Divé maky“ besuchen, aber es war niemand da. Was hättet ihr ihnen gesagt, wenn ihr die Gelegenheit dazu gehabt hättet?

Sekretariat: Zu Beginn hättes sie sicherlich versucht sich zu rechtfertigen, aber es kann für ihr Verhalten keine Begründung geben. Also hätten wir sie aufgefordert, Michal seinen Lohn auszuzahlen und sich ihre Märchen für Leichtgläubige aufzusparen. Außerdem hätten wir ihnen mitgeteilt, dass Organisationen wie ihre den Menschen helfen, aber sie nicht über den Tisch ziehen und ihnen das Geld für’s tägliche Brot vorenthalten sollten. Das ist doch wirklich erschreckend. Schließlich hätten wir ihnen mitgeteilt, dass wir hoffen ihre anderen Mitarbeiter/innen sind nicht so blöd zu glauben, dass Michael ein Einzelfall ist und ihnen nicht passieren könne. Hoffentlich sind die schlau genug, sich selbst zu organisieren und beim nächsten Mal gemeinsam zu handeln. Denn wenn „Divé maky“ nicht von den eigenen Mitarbeiter/innen verantwortlich gemacht wird, werden sie dieses Verhalten wahrscheinlich wiederholen.

Text des Briefes, der am 28.12. bei „Divé maky“ eingeworfen wurde:

An „Divé maky“,

Betreffend des andauernden Falls Ihres ehemaligen Mitarbeiters, dem seine zustehende Entlohnung von 950 Euro nicht ausgezahlt wurde, rufen wir Ihre Organisation auf, die Rechtfertigungskampagne für die säumige Summe zu beenden. Es gibt keine Begründung für Ihr Verhalten und Sie setzen damit den Ruf Ihrer Organisation auf’s Spiel.

Beachten Sie, dass wir nicht einfach weggehen und aufgeben, nur weil Sie versuchen Ihre ungerechtfertigte Position mit Drohungen und Falschinformationen zu verteidigen.

Wir verurteilen erneut die Praxis, Ihre Mitarbeiter/innen dazu zu zwingen als selbständige Werksarbeiter/innen aufzutrefen, womit Sie verhindern Sozialabgaben und Krankenversicherung zu zahlen. Wir betrachten dieses Vorgehen als illegal und unwürdig für einen Arbeitgeber, vor allem im gemeinnützigen Bereich.

Wir hoffen, dass andere Arbeiter/innen Ihrer Organisation nicht das gleiche Schiksal erleiden müssen, wie Michal, und wünschen denen ein Frohes Neues Jahr mit genug Geld, um etwas zu Essen zu kaufen.

Die IAA steht hinter Michal und wird der Priama Akcia alle nötige Unterstützung zukommen lassen, damit er sein Geld bekommt.“

Sofortige Auszahlung des ausstehenden Geldes!

Hintergrundbericht:
„Slowakei: Protestiert gegen Lohnklau bei OS Divé maky“
http://allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de/2015/11/23/slowakei-protestiert-gegen-lohnklau-bei-os-dive-maky/

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