Warschau: Krankenpfleger*innen fordern Lohnerhöhung

Am 10. September folgten über 11.000 Krankenpfleger*innen und Hebammen dem Aufruf ihrer Berufsgewerkschaft OZZPiP zu einer Demonstration in der polnischen Hauptstadt Warschau. Diese steht mit dem Gesundheitsmnisterium in Verhandlungen über eine Lohnerhöhung.

Seit über 13 Jahren versuchen die Krankenpfleger*innen mit geringem Erfolg angemessene Lohnerhöhungen durchzusetzen. Die meisten von ihnen verdienen etwa 600 Euro im Monat und der Berufszweig ist mittlerweile schwer unterbesetzt, da viele Frauen zum Arbeiten ins Ausland gehen und nur wenige junge Leute sich für diesen Beruf entscheiden. In den letzten Jahren wurden jedoch meist die Löhne der Ärzt*innen und Krankenhausverwaltung angehoben.

Die Krankenpfleger*innen hatten bereits mit einem Streik gedroht, aber dazu kam es bisher nicht. Aber da die Verhandlungen kurz bevor stehen wird nun ein landesweiter Streik vorbereitet. Die Pfleger*innen fordern für die nächsten drei Jahre eine Anhebung von 350 Euro im Monat.

ZSP-IAA unterstützt Protest der Krankenpfleger*innen


Einige Mitglieder der ZSP-IAA haben an diesem Protest ebenfalls teilgenommen und waren dort die einzige unabhängige Gewerkschaft. Die Krankenpfleger*innen in der ZSP sind jedoch nicht in die Verhandlungen der OZZPipP einbezogen. Nicht weil sie sich außerhalb dieser großen Gewerkschaft organisieren, sondern weil das Ministerium einige Kategorien von Krankenhäusern davon ausgeschlossen hat. Darunter befinden sich auch die Psychiatrien, in denen einige der Kolleg*innen arbeiten.Wenn man so vom Gesamtgeschehen abgeschnitten wird, steht einem ein schwieriger Weg bevor, um etwas zu erreichen. Die ZSP sieht es daher sehr negativ, dass die Herrschenden die Arbeiter*innen nicht nur nach Berufen spalten können, sondern manchmal auch entsprechend ihres Arbeitsplatzes.

Außer dass diese Kategorien von Krankenhäusern ausgeschlossen sind, muss auch festgestellt werden, dass es eine Gruppe von Krankenpfleger*innen gibt, die „Drecksverträge“ haben und noch weniger als den Mindestlohn bekommen. Dabei kann der Monatslohn auf bis zu 300 Euro brutto gedrückt werden – mit anderen Worten: auf die Hälfte dessen, was ihre bereits unterbezahlten Kolleg*innen verdienen. Für das Jahr 2013 zeigen Statistiken, dass 6,5 % aller Krankenpfleger*innen solche Verträge abgeschlossen hatten, während ein weiterer Teil mit Werkverträgen in die Scheinselbständigkeit gedrängt wurde.

Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten und hoffentlich haben die Krankenpfleger*innen mit ihrem Arbeitskampf Erfolg. Doch unabhängig davon, welches Ergebnis die Gewerkschaft OZZPiP erreicht, gibt es jedoch noch diejenigen Arbeiter*innen, die vom Gesundheitsministerium ausgeschlossen wurden. Und daher sind auch zusätzliche Aktionen nötig.

Übersetzung: Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA) – Sektion Altenpflege

CreativeCommons: BY-NC
(Quelle: http://zsp.net.pl/nurses-protest-low-wages)