Metropolis: Im falschen Film?

„Die Entdeckung der Unterbezahlung“

Die öffentliche Aufregung um das Programmkino am Ebertplatz dreht sich nicht um den neuen Film über den gelähm­ten Astrophysiker Stephen Hawking. Es geht vielmehr um die aktuellen Proteste der Belegschaft, die in den kölner Kinos „Metropolis“ und „Rex am Ring“ seit 2014 für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen muss.

Solidaritätsaktion beim Kölner Kino Metropolis am 04.02.2015

Denn nicht einmal alle gesetzlich vorgeschriebenen Ansprüche, wie schriftlicher Arbeitsvertrag, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlter Urlaub, wurden von der nach Gutsherrenart waltenden Geschäftsführerin Catherine Laakmann erfüllt. Nur durch wochenlange Auseinandersetzungen konnten die bei der Dienstleistungsgewerk­schaft „ver.di“ organisierten Kinoarbeiter/innen ihre Chefin zur Einhal­tung der allgemeinen Arbeitsgesetze bringen.

Rechte werden nicht gewährt, sondern erkämpft!

In einem offenen Brief hatte die Belegschaft sich Ende November aber auch über Videoüberwachung, die Streichung von Personalrabatten, weniger freie Wochenenden und weniger Möglichkeiten zum Schicht­tausch beschwert. Nach Angaben von „ver.di“ antwortete die Ge­schäftsführung darauf mit Androhungen, Abmahnungen, einseitigen Vertragsänderungen und anscheinend bewusster Unterbesetzung.

Denn Arbeitszeitregelung, die Schichtplan- und Urlaubsgestaltung, der Umgang mit Überstunden und die Tätigkeitsbeschreibung sind für die Arbeiter/innen bisher nicht klar geregelt. Sie fordern eine Anbindung an den Manteltarif, den ver.di mit dem Kinobetreiberverband HDF abge­schlossen hat. Und die jetzigen Niedriglöhne bei Metropolis und Rex (7,00 bis 7,50 EUR/h) sollen künftig dem höheren Entgelttarif des Multiplex-Kinos Cinedom (8,67 bis 12,56 EUR/h) angepasst werden.

Warnstreiks und Entlassungen

Zur Durchsetzung ihrer Forderungen wurde auf Gewerkschaftsver­sammlungen beschlossen zu dem Druckmittel des Warnstreiks zu greifen. Trotz zwei solcher Aktionstage im November konnte die eigen­willige Kinobetreiberin jedoch nicht zum Verhandeln gebracht werden, im Gegenteil: Sieben der Streikenden wurden prompt entlassen! Auch der im Dezember gewählte Betriebsrat, wurde direkt gefeuert. Er hatte versucht der Chefin klar zu machen, dass z.B. Lohnzahlungen garnicht über die von ihr gewünschte Betriebsvereinbarung zu regeln sind.
Friedenspflicht und Sozialpartnerschaft

Dabei ist es grundsätzlich höchst fraglich, ob ein Betriebsrat die Interessen der Arbeiter/innen überhaupt angemessen verteidigen kann. Schließlich liegt es an dem Willen dieser Gewählten, ob die Stellvertretung regelmäßig auf Versammlungen mit der Belegschaft abgesprochen wird. Oder ob sich die Funktionäre nach eigenem Willen hinter verschlossenen Türen mit dem Management einigen. Schließlich sind sie nach dem Betriebsverfassungsgesetz zum totalen Stillschwei­gen verpflichtet und dürfen auch nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen.

Die reformorientierten Gewerkschaften haben jeden­falls wegen ihrer meist sozial- demokratischen Ausrichtung ebenfalls kein Interesse an selbstbestimmten Streiks oder direkten Aktionen gegen die Macht der Eigentümer/innen. Schließlich sind sie als Sozial­partner/innen während eines laufenden Tarifvertrages immer dem Betriebsfrieden verpflichtet.

So wie man im Wahlzirkus der parlamentarischen Stellvertretung nur alle paar Jahre die eigene Stimme abgeben darf, so sind Betriebsräte und Tarifverträge ein erfolgreiches Mittel zur Befriedung gesellschaftl­icher Konflikte – und das schon seit hundert Jahren. Damals hatte die SPD und ihre bürokratischen Gewerkschaften angesichts des Weltkrie­ges den patriotischen „Burgfrieden“ mit Kaiser, Kapital und Kirche ge­schlossen. Das „Bündnis für Arbeit“ und Hartz IV folgten später nach…

Im heutigen Europa dienen Niedriglöhne, prekäre Arbeitsbedingungen und handzahme Streiks der Vorherrschaft der deutschen Wirtschaft über die verarmte Bevölkerung in Ost- und Südeuropa. Damit wird ihr „Standort Deutschland“ im globalen Konkurrenzkampf hart verteidigt.

Dagegen setzen wir lokale, direkte Aktionen und kämpfen über alle nationalen und kulturellen Grenzen hinweg selbstbestimmt für eine freie Welt ohne wirtschaftliche Ausbeutung oder staatliche Herrschaft.

Solidarität im Arbeitskampf!

Allgemeines Syndikat Köln
(Freie Arbeiter/innen-Union – Internationale Arbeiter/innen-Assoziation)
http://allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de)