Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Wie jedes Jahr am 10.11. fand auch 2014 vor der ehemaligen Ehrenfelder Synagoge am Hochbunker in der Körnerstraße eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der antisemitischen Pogrome 1938 und für die 1944 ermordeten Edelweißpirat/innen statt.

Hochbunker Körnerstra�e

Zunächst wurde dabei der Brandanschläge, Zerstörungen, Verhaftungen und Morde vom 09./10.11. 1938 erinnert, die eine erste Eskalationstufe in dem Versuch der totaalen Vernichtung des europäischen Judentums darstellten. Aber auch heutiger Antisemitismus und Rassismus wurden in den Redebeiträgen thematisiert und zu deren täglicher Bekämpfung in Betrieb und Schule, in privatem und öffentlichem Leben aufgerufen. Angesichts der jüngst entfesselten Straßengewalt von tausenden Nazi-Hooligans scheint die Notwendigkeit eines wehrhaften Antifaschismus auch in weiten Teilen der kölner Bevölkerung angekommen zu sein.

Gedenkgang durch Ehrenfeld

Danach zogen wir gemeinsam mit über 200 Menschen als Gedenkgang zum Bahnhof Ehrenfeld, wo an der Gedenkstätte in den Bahnbögen der Bartholomäus-Schink-Straße der vor 70 Jahren hingerichteten Edelweißpirat/innen und Zwangsarbeiter/innen gedacht wurde. Als eine der Überlebenden dieser antifaschistischen Jugendbewegung hatte sich auch trotz ihrer Krankheit die Kölnerin Gertrud „Mucki“ Koch an der Gedenkkundgebung unter der Leitung des Bezirksbürgermeisters Wirges (SPD) beteiligt.

Die Familie Brings spielte einige antifaschistische und antimilitaristische Lieder, sogar eine Karnevalsgesellschaft beteiligte sich als kostümierte Ehrengarde an der Kranzniederlegung. Erstaunlich, denn bis vor einigen Jahren wurde der militatnte Widerstand der Edelweißpirat/innen als „Kriminelle“ und „Verräter“ noch verleumdet.

Dass der mittlerweile verstorbene Jean Jülich (und später fünf weitere überlebende Mitglieder) das Bundesverdienstkreuz überreicht bekommen hat, war ein wichtiger Schritt in der symbolischen Aufwertung des antifaschistischen Widerstandes durch den westdeutschen Nachfolgestaat des NS-Faschismus.

Gedenkstätte am Bahnhof Ehrenfeld

Für eine über den bürgerlichen Antifaschismus hinausgehende Würdigung des Kampfes gegen Krieg, Militarismus und reaktionäre Ideologien wär es jedoch nötig, im historischen Rückblick auch den Widerstand der Arbeiter/innen gegen den vor 100 Jahren begonnenen Ersten Weltkrieg mit einzubeziehen. Dieses industrielle Gemetzel wurde schließlich in der Novemberrevolution 1918 durch revoltierende Soldaten- und Arbeiter/innen-Räte beendet, die deutsche Monarchie gestürzt und mehrere sozialistische, aber kurzlebige Räterepubliken ausgerufen.

Dass die in der Weimarer Republik erstmals an die Macht gekommene SPD den entschlossenen Kampf gegen den aufkeimenden Faschismus der putschistischen Freikorps in den Jahren bis zum Ruhraufstand 1920 mehrfach von der Reichswehr blutig niederschlagen ließ, sollte (gemeinsam mit der Kapitulation vor dem NS-Staat 1933) allgemein als Tiefpunkt der sozialdemokratischen Arbeiter/innen-Bewegung angesehen werden.

Doch der heute immernoch nötige Kampf gegen Rassismus und Krieg könnte von dem subversiven Rebellentum dieser von den Nazis mit tödlicher Gewalt verfolgten Jugendkultur so einige belebende Impulse aufgreifen – nicht nur einmal im Jahr beim Edelweißpiraten-Festival im Friedenspark…

Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA)