Belgischer FORD-Arbeiter in Köln vor Gericht

Rund zwei Jahre nach dem spektakulären Protest belgischer FORD-Arbeiter/innen gegen die Schließung des Werkes in Genk, der vor der Europazentrale in Köln-Niehl zu polizeilicher Repression geführt hatte, sind nun einige der Kolleg/innen wegen „Beteiligung an einer gemeinschaftlichen Straftat“ angeklagt.

Am 19.10.2014 fand daher im Bürgerzentrum Alte Feuerwache eine Infoveranstaltung des „Solikreis 7.November“ mit etwa 50 Teilnehmer/innen statt. Ebenso wie die kleine Kundgebung vor dem Amtsgericht am folgenden Tag, war die Veranstaltung leider von marxistisch-leninistischen Parteien geprägt. Trotz dieser autoritären Dominanz zeigte sich auch das Allgemeine Syndikat Köln mit den Angeklagten, welche überwiegend in der christlichen Gewerkschaft ACV organisiert sind, angesichts der staatlichen Unterdrückung von Arbeitskämpfen solidarisch. Doch der erste Prozesstag gegen Gaby C. , zu dem extra ein Bus mit Gewerkschafter/innen als Unterstützung angereist war, wurde gedoch wegen abwesender Zeug/innen auf den 05.12. vertagt. Die übrigen Verfahren sind derzeit noch für den Sommer 2015 angesetzt, falls sie nicht vorher eingestellt werden.

FORD und die Krise

Nach der Schließung des belgischen Produktionsstandortes wird auch in Köln die Herstellung des Modells „Fiesta“ gedrosselt, die Leiharbeiter/innen von Adecco wurden wohl bereits von der Produktion abgezogen. Auch die Nachtschicht und die Samstagsschicht wurden eingestellt und montags bzw. freitags sind die FORD-Kolleg/innen in Kurzarbeit, heisst es aus Kreisen der Belegschaft. Dabei finanziert der Staat durch die „Agentur für Arbeit“ die ausgefallenen Stundenlöhne und erspart dem Automobilunternehmen einige seiner Lohnkosten. Bei den FORD-Arbeiter/innen wird daher befürchtet, dass das Werk in Köln zugunsten der Produktion in Rumänien für den osteuropäischen Markt geschlossen werden könnte.

Auf der Kundgebung vor dem Amtsgericht wurde auch ein Solidaritätsschreiben von FORD-Arbeiter/innen aus Valencia (Spanien) verlesen, bei dem dort ebenfalls von krisenbedingten Kürzungen und gewerkschaftsfeindlicher Staatsgewalt berichtet wurde. Und in Belgien sind derzeit Vorbereitungen im Gange, gegen die neue Regierung mit Beteiligung der separatistischen Rechten gemeinsam zu protestieren: Für den 15.12. wird nun ein Generalstreik gegen die Sparpolitik der Michel-Regierung vorbereitet.

Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA)


Hintergrundinfos: „Gegen die Repression von FORD-Arbeiter/innen“

http://allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de/2013/10/28/gegen-die-repression-von-ford-arbeiterinnen/