Solidarität mit den Textilarbeiter/innen in Kambodscha

Sa., 11.01., 11 Uhr, Protest bei H&M, (Schildergasse 98)

Seit Ende 2013 hatten zehntausende Näher/innen, die außer für H&M auch für Adidas, Levi’s, Nike und Puma produzieren, für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gestreikt. Aber als am 02.01. eine Kundgebung mit singenden und tanzenden Arbeiter/innen brutal von der Militär­polizei angegriffen wurde, eskalierte die Situation. Am folgenden Freitag wurden die staatlichen Sicherheitskräfte angeblich von Demonstrant/innen mit Molotov-Cocktails und Steinwürfen ange­griffen, während auf den Hauptstraßen Barrikaden gebaut wurden.

Aber einige Gewerkschafter/innen vermuten eine gezielte Strategie der Spannung, um die Staats­gewalt zu rechtfertigen. Bereits auf früheren Versammlungen waren gewaltlose Demonstrant/innen von Unbekannten in Zivil mit Elektroschockern und Steinschleudern angegriffen worden – vermut­lich um Gegenwehr und damit Polizeieinsätze zu provozieren.

Jedenfalls waren die Proteste die Rechtfertigung dafür, dass die Armee am 03.01. mit Schnellfeuer­gewehren in die Menschenmenge schoss. Bei diesem Massaker wurden mindestens vier Demon­strant/innen getötet und etwa 40 verletzt. Im Anschluss wurden 23 Aktivist/innen festgenommen, brutal zusammengeschlagen und verschwanden in den berüchtigten Gefängnissen. Damit war der wochenlange Streik brutal beendet worden!

Im Mittelpunkt der Streiks stand die Forderung nach einer Erhöhung des Mindestlohnes von etwa 60 Euro/M. auf das Doppelte (160$). Denn selbst mit einem Hungerlohn von 100$, den die seit dem Putsch von 1997 regierende, marxistische Volkspartei des ehemaligen Roten Khmer Hun Sen vorgeschlagen hat, lässt sich dort nicht menschenwürdig Leben. Denn anders als in den Nachbar­ländern sind die Reallöhne seit Jahren stark gesunken.

Mit solchen Niedrigstlöhnen hat das boomende Textilgewerbe internationale Firmen und Inves­tor/innen in die wirtschaftlich unterentwickelte Monarchie gelockt. Schließlich sind die Löhne der Arbeiter/innen in Kambodscha nur halb so hoch, wie in chinesischen Fabriken. Daher macht die Textilbranche mittlerweile etwa 70% aller Exporte des immernoch vom kollektiven Trauma des maoistischen Massenmordes (1975-`78) geprägten Landes aus.

Für die Bevölkerung bedeutet dieses – an frühkapitalistische Bedingungen erinnernde – Wirt­schaftswachstum jedoch mangelnde Bildung, Hygiene und Infrastruktur, sowie Armut und Unter­drückung. Die weit verbreitete Korruption in Politik und Wirtschaft macht die Lage nicht besser. Die oppositionelle „Partei der nationalen Rettung“ hingegen nutzt die starken Arbeitskämpfe, um mit populistischen Versprechungen so schnell wie möglich Neuwahlen durchzusetzen, denn der ehe­malige Finanzminister Rainsy will so an die Macht kommen.

An den Arbeitsbedingungen der Näher/innen, die zu 95% junge Frauen sind, wird sich durch einen Regierungswechsel nichts grundlegend ändern. Der internationale Wettbewerb zwingt die Sub­unternehmen der großen Modekonzerne nur niedrigste Löhne zu zahlen, wenn sie ihren Gewinn erhalten oder steigern wollen. Ansonsten geht die Produktion nach Südamerika oder Nordafrika…

Daher werden selbst geltende Sicherheitsvorschriften aus Kostengründen nicht eingehalten. Erst Ende August waren 300 Arbeiter/innen nach Kontakt mit chemisch behandelten Textilien zusam­mengebrochen und mussten ins Krankenhaus. Auch mit den Arbeitszeiten und Überstunden wird es mit einer neuen Regierungspartei nicht viel besser aussehen; drohende Entlassungen und be­waffneter Werkschutz sind Alltag in den Fabriken. Dagegen lässt sich nur gemeinsam wirtschaft­liche Gegenwehr aufbauen: In unabhängigen, selbstbestimmten Gewerkschaften und jenseits nationaler oder rassistischer Spaltung!

Allgemeines Syndikat Köln
(Freie Arbeiter/innen Union – Internationale Arbeiter/innen-Assoziation)