Pflegen bis zum Umfallen?

Die Situation der Pflegenden und Gepflegten hat sich in den letzten Jahren stetig verschlechtert. Unsere täglichen Herausforderungen werden erschwert durch Arbeitskräftemangel, Zeitdruck, zu niedrige Bezahlung und eine geringe Wertschätzung der Tätigkeit. Unter diesen Voraussetzungen wird unsere Arbeit physich und psychisch immer belastender.

Pflege-Flashmob 11.01.2014 vor dem Kölner Dom

Auch wegen der schlechten Arbeitsbedingungen wird der Pflegeberuf für Berufseinsteiger/innen immer unattraktiver – und das in Zeiten des Pflegenotstands. Wir haben immer weniger Zeit für immer mehr zu pflegende Menschen. Der erhöhte Aufwand für die Dokumentation der Pflege stiehlt uns wertvolle Zeit bei den Patient/innen. Die eigentliche Pflege – also die Fürsorge und Betreuung des bedürftigen Menschen – kommt dabei viel zu kurz. Mit der bundesweiten Protestaktion „Pflege am Boden“ soll die Öffentlichkeit wiederholt auf die prekäre Situation in der Pflege aufmerksam gemacht werden.

Pflegen bis zum Umfallen?


Es müssen dringend Veränderungen auf politischer, betrieblicher und sozialer Ebene geschehen, um die Arbeitsbedingungen für Pflegende zu verbessern und ausreichend Zeit und Mittel für die Bedürfnisse der Gepflegten zu garantieren. Das schließt eine bundesweit einheitliche Personalbemessung ein, um Pflegebedürftige angemessen versorgen zu können.

Unsere Arbeit ist intensiv und oft auch mühsam. Die Beziehung zwischen Pflegenden und Gepflegten muss jedoch bewahrt bleiben. Wir wollen, dass Pflege wieder menschenwürdig und zugewandt gestaltet werden kann. Darum zeigen wir, dass wir zwar machmal am Boden liegen, aber auch dass es sich lohnt für unsere Forderungen aufzustehen und auf die Straße zu gehen.

Setzen wir uns gemeinsam für diese Ziele ein:

- Verbesserte Arbeitsbedingungen für Pflegende
- Höhere Entgelte für ambulante und stationäre Leistungen
- Mehr Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
- Weniger Bürokratie in der Dokumentation und Verwaltung
- Mehr Angebote zur Entlastung von pflegenden Angehörigen
- Soziale und wirtschaftliche Absicherung von privat und ehrenamtlich Pflegenden
- Kostenloser Zugang zu ambulanten Pflegeangeboten, unabhängig vom Einkommen
- Förderung von alternativen Lebensmodellen in selbstgewähltem sozialem Umfeld
- Überwindung der Geschlechterungleichheit bei Pflegetätigkeiten: mehr männliche Pfleger
- Aufbau nachbarschaftlicher Unterstützung und Selbsthilfe
- Anerkennung ausländischer Pflegeausbildungen

Was können wir tun?
- Informationen sammeln und weiterverbreiten
- Teilnahme an den nächsten Protestaktionen
- Aufbau von Betriebs- und Betroffenengruppen
- Bundesweite und internationale Vernetzung für bessere Pflegebedingungen
- Aufbau nachbarschaftlicher Selbsthilfe zur Entlastung von einzelnen Pflegenden

Flashmob \"Pflege am Boden\"

Darüber hinaus sollten wir uns klar machen, in welcher schwierigen wirtschaftlichen Lage wir uns befinden. Aufgrund steigender staatlicher Verschuldung und sinkender Steuereinnahmen werden Pflegende und Gepflegte in Zukunft immer mehr gezwungen sein auf soziale Leistungen, sowie gesetzliche Zugeständnisse, zu verzichten und uns aus eigener Kraft zu versorgen. Denn soziale und öffentliche Pflegeeinrichtungen werden mehr und mehr zu knallharten, gewinnorientierten Konkurrenzunternehmen – zu Lasten von Pflegenden und Gepflegten.

Pflegende sind mehr und mehr gezwungen unterbezahlte Schwerstarbeit bei steigenden Preisen zu leisten. Daher könnte eine gute Pflege langfristig nur noch für Reiche bezahlbar werden. Dagegen müssen wir bereits heute protestieren! Es ist dringend nötig, dass es eine soziale Alternative zu dem heutigen System aus Marktdruck und staatlicher Bevormundung gibt:
Eine solidarische und freiheitliche Gesellschaft, in der die Menschen anderen helfen – ohne Arbeitszwang und Not.

Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA) – Sektion Altenpflege

http://allgemeinessyndikatkoeln.blogsport.de/sektion-altenpflege/

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