Waldbesetzung braucht Solidarität

Nachdem im Herbst 2013 die Staatsmacht immer wieder mit schwerem Räumgerät und bewaffneten Polizeikräften in den Hambacher Forst vorgedrungen ist und die Infrastruktur am Boden unterhalb der besetzten Bäume zerstört und beschlagnahmt hat, brauchen die Klimaaktivst/innen dringend Unterstützung von außen.

Da ihnen sogar Essen, Was­ser­ka­nis­ter, Schu­he und per­sön­li­che Ge­gen­stän­de weggenommen wurden, benötigen sie vor allem neues Material, z.B. ​Er­ste­-Hil­fe­-Käs­ten, ​Ak­kus, ​Ker­zen, ​Brenn­holz, ​Kopf­lam­pen/Ta­schen­lam­pen, ​Pla­nen, ​Gas­ka­rtu­schen (Größe NR), ​Wärm­fla­schen, ​Ther­mos­kan­nen, ​So­cken, ​Hand­schu­he und lan­ge Un­ter­ho­sen. Da sie eine rein pflanzliche Ernährung propagieren, freuen sie sich besonders über vega­ne Ku­chen.

1 Jahr „Wiesenbesetzung“

Anlass zum Feiern gibt es aber auch, denn schließlich besteht die „Wiesenbesetzung“ bei Düren-Morschenich nun seit genau einem Jahr. Der Wiesenei­gen­tü­mer, der das Aktionscamp unterstützt, hatte er­folg­reich gegen eine Ver­fü­gung des Bau­am­tes des Kreis Dü­rens ge­klagt, mit dem eine Räumung der Wiese erzwungen werden sollte. Das gegen ihn verhängte Zwangsgeld von 2.000 Euro Zwangs­geld ist also un­recht­mä­ßig er­ho­ben wor­den und wird daher zu­rück­ge­zahlt. Nun wird gerichtlich geprü­ft, ob das Bau­amt über­haupt solche Zwangsver­fü­gun­gen er­tei­len darf, denn das Protestlager gegen Braunkohletagebau beansprucht unter das Ver­samm­lungs­recht zu fallen und damit hätte das Bau­amt nichts zu entscheiden.

Dieser Etappensieg kann jedoch kaum darüber hinwegtrösten, dass eine Klimabewegung von unten allenfalls in den Startlöchern sitzt. Zwar hatte die bundesweite Fahrradkarawane im Sommer 2013 bereits einige Ökoaktivist/innen aus verschiedenen Bereichen versammelt. Doch bei einer Demonstration in Essen kamen Anfang Oktober nur einige dutzend Vertreter/innen von Parteijugend und Umweltverbänden zusammen. Aber angesichts des Austritts der Umweltverbände aus der Weltklimakonferenz in Warschau, hat sich wieder mal gezeigt, dass es erfolglos ist auf Regierungen und NGOs zu hoffen, um der katastrophalen Umweltvernichtung wirksam etwas entgegen zu setzen.

RWE zerschlagen! Kohlekraft stoppen!

Für Energiekämpfe in Bewegung

Statt industriebedingtem Klimawandel brauchen wir einen sozialen Wandel hin zu einer befreiten Gesellschaft – und dazu benötigen wir libertäre Alternativen zur herrschenden Energiepolitik. Schließlich bleibt der Kohleausstieg ein zentrales Moment der Energiewende, die nur durch Basiswiderstand jenseits der Parteibürokratie stattfinden kann.

In einem Aufruf zu der Berliner Demonstration am 30.11. („Kohleausstieg ist Handarbeit“) wird das so formuliert:

„Energiewende heißt deshalb für uns: an Machtstrukturen rütteln. Verteilungsfragen stellen. Ein Wirtschaftssystem hinterfragen, das dem Diktat des Wachstumszwangs unterliegt, auf Ausbeutung beruht sowie unwiderruflich Ökosysteme und menschliche Lebensgrundlagen zerstört. Energiewende heißt für uns: Raum für Selbstverwaltung und basisdemokratische Strukturen schaffen.“

Solidarischer Widerstand bedeutet ebenfalls einen Kampf für die dezentrale Umgestaltung der Schwerindustrie in ökologische Produktion, denn nur mit einer solchen Konversion kann verhindert werden, dass die dringend nötige Schließung von Kohlekraftwerken, Bergwerken, Tagebauen und AKWs zu einem unsozialen Abbau von Arbeitsplätzen führt. Der Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimavernichtung darf nicht auf Kosten derjenigen Menschen geführt werden, die als Lohnabhängige in der Energiewirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen.

Massenentlassung bei RWE

Beim Energiekonzern RWE sind jedoch derzeit tausende Arbeitsplätze gefährdet. Weil das Management viel zu lange auf fossile Brennsoffe statt auf erneuerbare Energien gesetzt hat, werden nun ganze Produktionsanlagen geschlossen, ohne dass die Belegschaften die Chance auf einen anderen Job angeboten bekommen.

So rücksichtslos, wie RWE an der Natur Raubbau betreibt, so unbarmherzig zeigt sich die Firma ihren Arbeitskräften gegenüber: In den kommenden zwei Jahren baut der Konzern fast 7.000 Stellen ab, darunter etwa 4.750 in Deutschland. Betroffen von den geplanten Kündigungen sind Kolleg/innen aus der Stromerzeugung, in der Verwaltung und bei der Ökostrom-Sparte „Innogy“. Dagegen lohnt es sich zu kämpfen!

Widerstand von unten aufbauen

Dabei zeigt uns der Kampf der spanischen Bergarbeiter/innen in Asturien 2012 oder aktuell gegen tödliche Arbeitsunfälle in Iruña , wie Basisgewerkschaften die kämpferischen Belegschaften unterstützen können. Von den reformistischen Gewerkschaftsbürokratien ist allerdings nicht mehr zu erwarten als Standortnationalismus und Betriebsfrieden, wie das Beispiel des sozialpartnerschaftlichen Klimakillers IG BCE deutlich zeigt.

Daher setzten wir uns als Anarchosyndikalist/innen für eine Gewerkschaftsbewegung von unten ebenso ein, wie für einen Basiswiderstand gegen umweltschädliche Energieproduktion aus Atom, Gas, Kohle und Öl. Es reicht nämlich nicht aus, als Konsument/innnen individuell den Stromanbieter zu wechseln oder Atomfirmen, wie Siemens, zu boykottieren:
Der kreative Widerstand gegen die herrschende Energiepolitik muss auf allen Ebenen diskutiert werden, sei es am Arbeitsplatz, in den Schulen und Universitäten oder durch direkte Aktionen bei Waldbesetzungen und Schienenblockaden.

Solidarität mit der Waldbesetzung im Hambacher Forst!
Gegen die Zerstörung von Arbeitsplätzen bei RWE!

Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA)