Solidarität mit Pflegeheim-Besetzung in Amsterdam

Am Samstag, den 02.02.2013, haben 70 Pfleger/innen und Sympathisant/innen das Alten- und Behindertenpflegeheim Dr. Sarphatihuis in Amsterdam besetzt. Mitglieder des Vrije Bond bzw. der Anarchistischen Gruppe Amsterdam unterstützten die Besetzung und verteilten Flugblätter.

Besetzung Dr. Sarphatihuis Amsterdam 2013

In einem seit letzten November andauernden Arbeitskampf setzt sich das Personal für mehr Pflegekräfte ein. Zudem kämpfen sie für besere Arbeitsbedingungen, wobei sie von Gewerkschaften und linken Parteien unterstützt werden. Trotz Millionengewinnen des Arbeitgebers Amsta kommt bei den Arbeiter/innen in Pflege und Betreuung nichts von dem Geld an.

Um Druck auszuüben wurde außer der eintägigen Besetzung des Pflegeheimes bereits viermal die Arbeit niedergelegt, zuletzt streikten am 08.02. rund 50 Kolleg/innen. Doch die Pfleger/innen kämpfen dabei nicht nur für ihre eigenen Interessen, sondern auch für das Wohl der Bewohner/innen, die unter dem Personalmangel ebenso leiden müsse, wie unter unzureichender Versorgung. Auch Beschwerden über Misshandlungen liegen vor, weshalb eine bessere Kontrolle der freiheitsentziehenden Maßnahmen gefordert wird.

In den folgenden Wochen sollen die Streikaktionen jeweils um einen Tag verlängert werden, um mehr Verhandlungsmacht aufzubauen. Selbstverständlich wird während der Arbeitsniederlegungen eine Mindestversorgung der Bewohner/innen aufrecht erhalten. Einer der Bewohner/innen hat sich sogar im Rollstuhl an der Kundgebung beteiligt.

Die Streikenden fordern ein Ende der extremen „Flexibilisierung“ und des Arbeitsdrucks . Ältere Menschen müssen manchmal stundenlang in ihren eigenen Fäkalien sitzen, weil es nicht genug Leute gibt, um sie zu waschen. Und sie werden immer von jemand anderem versorgt, da die Schichtpläne dauernd geändert werden. Die Pfleger/innen müssen meist sogar die Namensschilder vergleichen, weil sie Leuten ihre Medikamente verabreichen müssen, die sie nie zuvor gesehen haben.

Fast die Hälfte der Arbeiter/innen in den Einrichtungen des Amsterdamer Gesundheitswesens sind Auszubildende, Student/innen, Menschen mit Null-Stunden-Verträgen oder Freiwillige. Sie alle leisten weit unter dem Mindestlohn schwere und wichtige Arbeit, haben aber dabei keine Rechte. Und sie müssen – genauso wie das reguläre Personal – zunehmend unter Leistungsdruck arbeiten. Gleichzeitig macht das Unternehmen Amsta Millionengewinne und die Manager/innen können 1,2 Millionen pro Jahr für sich kassieren.

Da läuft etwas gehörig schief und sicherlich nicht nur bei Amsta: Überall in Europa und auf der Welt müssen Menschen auf ihre Rechte verzichten, aber immer mehr schuften, während Chefs und Politiker/innen uns durch Konkurrenzdruck, Nationalismus, Rassismus und Geschlechterdiskriminierung gegeneinander ausspielen.

Daher hat auch die kämpferische Belegschaft im Pflegeheim Dr. Sarphatihuis unsere grenzüberschreitende Solidarität verdient!

Ausbeutung blockieren!

Allgemeines Syndikat Köln (FAU-IAA) – Sektion Altenpflege

Siehe auch: „Zorg werkers bezetten Dr Sarphatihuis Amsterdam“

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